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Vortrag: Glaube und Wissenschaft - Die syrische Schule von Edessa als spätantike Bildungsanstalt

Am Abend des 19. Mai 2017 fanden sich rund 90 Gäste im Hörsaal 1 der Neuen Universität Heidelberg zusammen, um den interessanten und historisch durch Fakten belegten Vortrag "Glaube und Wissenschaft: Die syrische Schule von Edessa als spätantike Bildungsanstalt" von Prof. Dr. Josef Rist anzuhören.

Im 5. Jahrhundert gab es in Edessa eine Anzahl verschiedener "Schulen", doch nur über die "Schule der Perser" sind Informationen zugänglich gewesen. Der Namenszusatz "der Perser" wurde ihr wahrscheinlich angehängt, weil sie viele Studenten anzog, die aus dem Persischen Reich nach Edessa hinüberkamen.

Die wichtigsten Fächer an dieser Schule waren christliche Theologie und Medizin. Ihr wichtigster Lehrer war der aus Nisibis stammende Ephrem der Syrer (303-373). Zurzeit von Bischof Rabbula (412-435) war die Schule bereits gut etabliert; in den frühen dreißiger Jahren des 5. Jh.s folgte ihr Leiter Ibas sogar Rabbula als Bischof nach.
Während dieser Zeit wurden mehrere aus dem Griechischem stammende Werke von dem Theologen Theodor von Mopsuestia ins Syrisch-Aramäische übersetzt. In Edessa entstand die erste syrisch-aramäische Bibelübersetzung, die "Peschitta".

In dieser Zeit herrschten heftige Kontroversen auf dem Gebiet der Theologie, da die diesbezüglichen Lehren als ungenügend angesehen worden sind.
Bedeutende Schüler der Schule von Edessa waren Schem'un von Beth Arscham und der heute sehr bekannte Dichter Jakob von Sarug. Jakobs Dichterkollege und älterer Zeitgenossee Narsai, der selbst ein ehemaliger persischer Schüler war, folgte dagegen der offiziellen Schullinie und wurde später Lehrer und schließlich Leiter der Schule.

Wir bedanken uns bei den Gästen aus Nah und Fern und natürlich auch bei Herrn Prof. Dr. Josef Rist, dem wir für die Zukunft alles Gute wünschen!