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10.11.2017  17:26
Kategorie: Aktuelles

Vortragsnachmittag in Ludwigsburg mit Dr. Michael Waltisberg: Modernes Aramäisch und seine Erforschung am Beispiel des Turoyo


Der Kreis Aramäischer Studierender veranstaltete am späten Nachmittag des 10. September erneut eine Kooperationsveranstaltung mit Aramäer Bietigheim. Für den Vortragsnachmittag kamen ca. 30 Interessierte in Ludwigsburg zusammen, um bei dem Vortrag von Dr. Michael Waltisberg dabei zu sein. Dr. Waltisberg ist Sprachwissenschaftler am Centrum für Nah- und Mittelost- Studien im Fachgebiet Semitistik an der Philipps- Universität Marburg und referierte am genannten Tag über das Moderne Aramäisch und seine Erforschung am Beispiel des Turoyo. 

Aramäisch gehört wie Hebräisch oder Arabisch, zu den semitischen Sprachen und ist in Inschriften aus dem syrischen Raum bereits seit dem 9./10. Jhd. v. Chr. bezeugt.
Im Altertum verbreitete sich die Sprache allmählich in Mesopotamien, Palästina und Syrien, was dazu führte, dass das Reichsaramäisch (ca. ab 500 v. Chr.) Verwaltungssprache des achämenidischen (altpersischen) Reiches wurde.

Das Mittelaramäisch wiederum etablierte sich ca. im 1. Jhd. v. Chr.- 7. Jhd n. Chr., wovon zahlreiche Dialekte schriftlich bezeugt sind. Der Großteil der überlieferten älteren aramäisch- sprachigen Werke kamen zu dieser Zeit auf.
Weitaus später (1733-1815) kamen Nachrichten über neuaramäische Dialekte auf, in denen sich laut Angaben auch viele kurdische oder arabische Wörter mischten. Einer dieser Dialekte war das Turoyo, welches in Tur Abdin gesprochen wurde.

Die Erforschung des Turoyo beginnt verhältnismäßig spät, denn erst 1881 erschien die erste wissenschaftliche Veröffentlichung: Eugen Prym und Albert Socin trafen auf einer Forschungsreise einen Turoyo Sprecher, der ihnen Geschichten diktierte. Diese Geschichten mündeten schließlich zu einer Textsammlung ein, unter dem Titel „Der neu-aramaeische Dialekt des Tur Abdin", dessen zweiter Teil die Übersetzungen enthält.
Erst 1923 erschien eine erste Grammatik auf der Basis der Textsammlung: „Laut-und Formenlehre des neuaramäischen Dialekts des Tur Abdin" von Adolf Siegel. Die weitere Erforschung des Turoyo ruhte mit der Grammatik für 40 Jahre.

In den 60er Jahren erforschte Hellmut Ritter auf einer neuen Grundlage am Turoyo. Es erschienen drei große Textbände: „Turoyo- Die Volkssprache der syrischen Christen des Tur Abdin", sowie eine dazugehörige Grammatik und ein Wörterbuch.
Ein weiterer wichtiger Einfluss auf die Erforschung des Turoyo waren die Arbeiten Otto Jastrows. Seine 1967 veröffentlichte Dissertation „Laut-und Formenlehre des neuaramäischen Dialekts von Midin im Tur Abdin" stellt eine Standardgrammtik dar.

Auch unser Referent Dr. Michael Waltisberg forscht am Turoyo. So hat er 2016 seine „Syntax des Turoyo" veröffentlicht, welche Forschungslücken füllt. Er ist nicht der einzige, der heutzutage noch am Dialekt forscht, denn auch an der Universität Moskau existiert ein Projekt: „Verb Glossary of Turoyo". 
Nicht zu vergessen sind natürlich die Turoyo-Sprecher selbst, wie zum Beispiel Shabo Talay, welcher im Jahr 2004 „Lebendig begraben. Die Entführung des syrisch-orthodoxen Priesters Melki Tok von Miden in der Südosttürkei. Einführung, Aramäischer Text (Turoyo), Übersetzung und Glossar" veröffentlichte oder auch Ablahad Lahdo, der „A Traitor among us. The Story of Father Yusuf Akbulut. A Text in the Turoyo Dialect of ʿIwardo" in diesem Jahr erst schrieb.

Den restlichen Abend verbrachten wir in gemütlichem Beisammensein im mexikanischen Restaurant „Blaue Agave".

Für weitere Informationen bezüglich des Inhalts, könnt ihr euch gerne in den kommenden Wochen das Video zum Vortrag anschauen, welches wir auf YouTube posten werden. 

Wir bedanken uns bei allen Anwesenden für ihr Kommen und natürlich auch einen großen Dank an Aramäer Bietigheim für die gute Zusammenarbeit und Organisation!

 

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