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„Die Aramäer“ – Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Martin Tamcke

Die syrische Sprache hat sich aus dem aramäischen Dialekt um die Stadt Edessa herum entwickelt. Wie die Sprache uns in zwei voneinander leicht verschiedenen Versionen begegnet – besonders das Vokalsystem ist verschieden, aber auch die Schreibweise –, so gehen auch die Entwicklungen im west- und ostsyrischen Bereich unterschiedliche Wege. Das hat vorrangig mit den dominierenden politischen Kräften zu tun: Im Westen ist deutlich die Dominanz des Römischen Reiches und der hellenistischen Kultur, im Osten deutlich die Dominanz des Persischen Reiches (besonders in Gestalt des Sassanidenreiches) bis zur arabisch-muslimischen Eroberung prägend für Kultur, Politik, Gesellschaft und auch Religion jenes geografischen Bereiches, den C.D.G. Müller einmal den „syrischen Raum“ nannte. Die weite Verbreitung des Syrischen über den ganzen fruchtbaren Halbmond hinweg und darüber hinaus, hat dazu geführt, dass eine auf eine Nation engzuführende Abkunft nicht möglich erscheint, obwohl aus verständlichen Gründen schon im Mittelalter Anstrengungen unter den syrischsprachigen Menschen zu verzeichnen sind, sich hier selbst irgendwie mit einer Zugehörigkeit zu verordnen. Der heute unter völlig veränderten Vorzeichen geführte Streit innerhalb der Ethnie der Syrer –nicht zu verwechseln mit den Staatsbürgern des heutigen Syrien, obgleich ein gewichtiger Teil der syrischen Orthodoxie im Land beheimatet ist und das Wort aus dem Griechischen von Assur kommt, was zugleich ein Grund für Aramäer heute ist, sich von dieser Benennung zu trennen – führt historisch nicht einfach in die Irre: Wohin gehörten die Syrer, die außer in Gestalt des kleinen Vasallenkönigtums kein eigenes Staatsgebilde aufweisen konnten, sondern unter der Herrschaft der Großmächte standen und sich mit ihnen und ihren staatstragenden Völkern arrangieren mussten? Schon im Mittelalter tendieren die Christen auf dem Boden des Römischen Reiches dazu, sich als von den Aramäern abstammend zu definieren (was Anhalt an der Geschichte der Sprache hat); unverkennbar aber ist dieses Verhältnis im Osten, im Raum des Persischen Reiches, nicht gleichermaßen so konstruiert worden.

In beiden Regionen sind unsere Kenntnisse zu den Anfängen dieser Kultur zusammengesetzt aus sehr unterschiedlichen Teilelementen. Deutlich ist: entscheidend für diese Kultur und auch für die dann einsetzende syrische Literaturgeschichte ist das Christentum. Wer einmal die klassische Literaturgeschichte von Anton Baumstark aufschlägt, dem wird das fraglos deutlich. Aber mit diesem Hinweis ist für die Anfänge nicht viel gewonnen. Zu bunt sind die einander oft widersprechenden Nachrichten dazu, wie sich denn das Christentum als bestimmende Triebkraft dieser Kultur in der Region hat etablieren können. Zu zentralen Orten des frühen Christentums wie Antiochia kommt als stets zu bedenkender Faktor hinzu, dass sich dort die bedeutenden Denker auf Griechisch ausdrückten. Und dennoch gab es auch schon früh syrische Autoren. Zu simple Zuordnungen, die diese Kultur etwa ausschließlich über die Sprache zu erfassen versuchen oder nur über eine konfessionelle Ausprägung des Christentums, verzerren das Bild oft zumindest ein wenig. Die später auch in syrischen Übersetzungen einflussreichen Theologen wie Theodor von Mopsuestia, der der Kirche des Ostens ihr Profil gab, schrieben eben auf Griechisch, aber auch der für die Syrische Orthodoxe Kirche grundlegende Severos von Antiochien. Kurzum: Es gab sowohl ein griechisch-orthodoxes Christentum, das in syrischer Sprache sich ausdrückte, als auch ein syrisches Christentum, dessen Sprache das Griechisch der östlichen Reichshälfte des Römischen Imperiums war.

Eine Gestalt, die das frühe Christentum der Region repräsentiert, ist Bar Daisan (gest. 222), ein philosophisch geschulter Mann, der zugleich ein Poet war; sein Liederbuch wirkte weit über seinen Tod hinaus. Dennoch ist deutlich: Bar Daisan war kein Christ im Sinne der Rechtgläubigkeit. Besonders seine Anhänger werden in der Region späterhin nur als Häretiker in der Überlieferung der Traditionen der verschiedenen Konfessionen greifbar, die für sich Rechtgläubigkeit in Anspruch nahmen und immer mehr ihre dogmatischen Profile gegen Häretiker der verschiedensten Weisen ins Feld führten. Markioniten und Bardesaniten waren da nur zwei Gemeinschaften aus einer größeren Zahl, die von dem Wunsch nach größerer Uniformität oder größerer Einheit auf der Basis dogmatischer Entscheidungen in zähem Ringen verdrängt wurden. Im 3. Jahrhundert gerät Edessa kirchlich in Abhängigkeit von Antiochia, politisch hatte es sich ohnehin mit den Römern und Persern zu arrangieren gehabt. Dennoch bleibt Edessa das Zentrum der syrischen Kultur und steht in intensivem Austausch auch mit den Syrern im Persischen Reich. Hier entsteht unter dem Bischof Rabbula (gest. 435/6) der Text der syrischen Bibel, die eine ganz eigene Geschichte.

Als Julian mit dem römischen Heer von den persischen Armeen 363/64 verheerend besiegt und selbst getötet wird, geht eines der wichtigsten Zentren der syrischen Christenheit, das relativ weit im Westen lag und stets Umschlagplatz für Ideen über die Grenze hinweg blieb, an das Persische Reich verloren: Nisibis. Aus dieser Zeit migrierte dann der berühmte Ephraem der Syrer (gest. 373) nach Westen, wohl über Harran nach Edessa. Mit ihm etablierte sich ein wichtiger Vertreter des östlichen Zweiges im Westen, auch wenn er bis heute weiter auch in der Tradition der östlichen Syrer eine gefestigte Stellung hat, die allerdings weit hinter der im Westen zurückbleibt. Ephraem ist so nur teilweise ein Kirchenvater sowohl der Syrischen Orthodoxen Kirche als auch der Kirche des Ostens. Für den östlichen Kulturzweig ist vielmehr Aphrahat der persische Weise (gest. 345) repräsentativ. Ganz generell lässt sich sagen, dass im Osten eher der semitische Charakter fast ausschließlich wirksam ist und im Westen massiv das Erbe der griechisch-hellenistischen Welt eingegangen ist in die syrische Kultur.

Was die Wissenschaft heute dabei etwa zu Ephraem erarbeitet, gerät oft in starken Gegensatz zu der kirchlichen Tradition: nach syrisch-orthodoxer Tradition ist Ephraem Mönch gewesen und seine Gedanken tragen hier beispielsweise unverkennbar frauenfeindliche Züge. Sebastian Brock hingegen erwies an den originalen Schriften Ephraems, dass er ein ausgesprochen positives Frauenbild hatte und nie Mönch war, sondern ein sich im sozialen Engagement verschleißender Diakon, der mitten in den Wirrnissen der Zeit stand. Zudem gilt Ephraem als der Gründer der Frauenchöre, denen er eine gewichtige Stellung in der Vermittlung der christlichen Lehre zubilligte. Erst mit Philoxenos von Mabbug (gest. 523) wird dann jenes Ephraem-Bild greifbar, das einen völlig veränderten Mann zeigt. Versuche, herauszubekommen, ob die liturgischen Hymnen, die unter dem Namen Ephraems firmieren, tatsächlich ihm zuzuschreiben sind, sind bis heute gescheitert. Immer mehr Texte wuchsen in der Tradition hinzu, die unter seinem Namen überlebten, oft aber sehr fragwürdigen Autoren zuzuweisen sind.

In Edessa standen sich im 5. Jahrhundert dann Einflüsse mit Bezug auf die östliche Kulturtradition und solche mit Bezug auf die westliche auch institutionell gegenüber. Führende Theologen und Bischöfe repräsentieren diesen Widerspruch (Rabbula die westliche, Ibas die östliche). Mit der Aufhebung der aus dem östlichen Geist gespeisten Perserschule im Jahr 489 ist dann der entscheidende Schritt zur Vertiefung der kulturellen Kluft getan. Seither wird die östliche Tradition fast ausschließlich auf dem Boden des Persischen Reiches gepflegt, die westliche zentriert sich alsbald um Edessa.

Antiochien, von der westlichen Tradition als Keimzelle für die eigene Identität reklamiert (Paulus und Pertrus als Gründungsapostel für die apostolische Sukzession), wechselte häufig seinen Standort im Richtungsstreit der theologischen Grundpositionen. Als in der Reichskirche schließlich mit dem Chalcedonense 451 die miaphysitische Position (damals als „monophysitisch“ verketzert) ebenso aus dem Spektrum der Rechtgläubigkeit ausgeschlossen wurde wie zuvor die mehr die Zweiheit der Naturen Christi ausdrückende Theologie (die ihre Heimstatt dann endgültig am Ende des 5. Jahrhunderts als offizielle Lehre der Kirche des Ostens fand), gingen die sprachlich-kulturell-ethnischen Entfremdungseffekte mit der theologischen Positionierung einher: im Osten waren da dann die heimisch, die von der Reichskirche als „Nestorianer“ verketzert wurden, im Westen dann die, deren Ketzerbezeichnung zumeist „Jakobiten“ oder eben „Monophysiten“ war. Beide Traditionen haben sich von jeher diesen Fehlzuschreibungen zu erwehren gesucht. Für die Östlichen war, so meint im 12. Jahrhundert dann der bedeutende Dogmatiker Ebed Jesus, Nestorios (gest. um 451) zwar von grundlegender Bedeutung, aber schließlich seien nicht sie ihm, sondern er ihnen gefolgt und zudem habe er nicht einmal das Syrische beherrscht, sondern habe Griechisch gesprochen. Dennoch ist Nestorios einer der grundlegenden Heiligen dieser Kirche geworden, allerdings deutlich im Schatten des bedeutenden Antiocheners Theodor von Mopsuestia (um 350–428), dessen exegetische Methoden und theologische Einsichten nun zur Lehrnorm im Osten wurden, wo sein Schrifttum überlebte, seit es im Westen verurteilt worden war. Im Westen hingegen schuf Philoxenos von Mabbug eine identitätsstiftende Theologie, die auch auf Ephraem den Syrer zurückgriff und nicht mehr primär eine in griechischer Sprache betriebene Theologie war, sondern eine, deren sprachlicher Ausdruck der des Syrischen war.

Die massiven Verfolgungen durch die Reichskirche konnten die syrischen Christen auf dem Boden des Römischen Reiches nur überwinden, indem es Jakobos Baradaios (gest. 578) gelang, eine Kirche im Untergrund zu sammeln. Stets auf der Flucht vor seinen Häschern, weihte er Bischöfe im geheimen Einverständnis mit der Kaiserin Theodora und mit aktiver Hilfe des arabischen Ghassanidenkönigs. Die junge und seit der Weihe auch eines Patriarchen institutionell unabhängige Kirche, die natürlich ebenso für sich in Anspruch nimmt, das Patriarchat von Antiochien zu repräsentieren wie etwa der Patriarch der Rum-Orthodoxen, der Patriarch der Maroniten, der Patriarch der Melikten und der Patriarch der Syrisch-Katholischen, hatte von Anfang an schwere innere Kontroversen zu überstehen (Streit um Tritheismus, Kämpfe zwischen Paulanern und Jakobiten). Die Patriarchen der vergangenen Jahrzehnte wiesen stets darauf hin, das Jakob Baradaios zwar ein gewichtiger Heiliger ihrer Kirche sei, nicht aber deren Gründer.

Wie auch immer: als schließlich die Araber den von ihren ständigen Kriegen gegeneinander ermüdeten Reichen Roms und Persiens ein Gebiet nach dem anderen abtrotzten, bis sie schließlich zu Beginn der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts das gesamte Sassanidenreich (Persien) erobert hatten und auch im Westen die Kernländer der östlichen Christenheit sich einverleibt hatten (Ägypten, Palästina, Syrien), da fanden sich unter den neuen politischen Bedingungen die beiden syrischen Traditionen plötzlich in einem gemeinsamen politischen Raum vor. In dieser unruhigen Umbruchszeit (die schon lange vor der arabischen Eroberung begann mit den erfolgreichen Eroberungszügen der Perser über Syrien und Palästina nach Ägypten und bis vor die Tore Konstantinopels im Norden) intensivierten sich die Abgrenzungsbemühungen zwischen östlicher und westlicher Tradition. Äußerlich gelang es der westlichen Tradition, zwei kleine Gebiete aus dem Kerngebiet der Kirche des Ostens herauszubrechen und kirchlich sich anzuschließen: Tagrit und Mar Mattai. Darauf reagierten die Kirchenleitungen der östlichen Tradition nicht nur mit verstärkten Anstrengungen zur Abwehr des Einflusses aus dem Westen, sondern sie wurden auch überall im Westen präsent mit Gemeinden bis nach Ägypten. Bei aller Auseinandersetzung, der die Quellen in großem Umfang immer wieder Raum geben, ist doch damit unverkennbar, dass die Traditionen seit der arabischen Eroberung nicht einfach mehr nur geographisch voneinander zu scheiden waren aufgrund der jeweiligen Reiche. Dennoch bemühten sich beide Traditionen intensiv um die neue Herrschaft, damit sie mit deren Hilfe oder unter Rückgriff auf sie sich gegenüber der konkurrierenden Tradition behaupten konnten. War mit Damaskus unter den Omajaden zunächst das Zentrum der Macht im Westen und damit scheinbar ein Standortvorteil für die miaphysitische Tradition gegeben, so wanderte das Zentrum unter den Abbasiden nach dem neugegründeten Bagdad, nicht weit entfernt von der alten Reichshauptstadt Seleukia-Ktesiphon, wo eben die Patriarchen der Kirche des Ostens residierten, die von da an teilweise in unmittelbarer Interaktion mit den Kalifen aktiv werden konnten.

In den Jahrhunderten bis zur arabischen Eroberung bildeten sich Grundzüge beider Kirchen heraus, die in gewisser Weise bis heute ihr Bild prägen. Im Westen wird von Anfang an Askese in extremen Formen gelebt. Da wirken die Säulenheiligen, die von ihren Säulen herab auf das Volk wirken, da findet das dogmatische Bekenntnis seine abschließende Ausprägung in der Betonung der Einheit der Naturen (ohne dass die Naturen da zu nur einer erklärt würden, wie die sie verketzernden Gegner behaupten). Die schon bei Bar Daisan und Ephraem greifbaren Hymnen, die Weitergabe des Glaubensgutes über die Musik und den Gesang, ist etabliert und bringt immer neue Hymnendichter hervor, unter denen besonders Jakob von Serug (gest. 521), die „Flöte des Heiligen Geistes“, hervorsticht. – Die östliche Tradition hingegen kämpft darum, die Zweiheit der Naturen in Christus festzuhalten, um Göttliches und Menschliches nicht zu vermengen. Hier bildet sich das Hochschulwesen ungleich stärker als Charakteristikum der kirchlich verankerten Kultur heraus. Nisibis, wo Narsai (gest. 503) das Erbe der Perserschule von Edessa etablierte und wo es wohl schon lange eine Schule gab, wird zu einer weithin wirkenden Stätte des Geistes, wo Methoden erlernt, Theologie getrieben, Gesänge einstudiert, Exegese fortgeschrieben und Philosophie vermittelt wird. Medizin wurde in Nisibis dabei offenbar unabhängig von der Schule gelehrt, während an anderen Orten gerade die Medizin ein zentrales Element für das muslimische Interesse an der Übernahme des Wissensgutes aus den Schulen gewesen zu sein scheint. Hier wuchs eine erhebliche Kommentartradition heran, die später auch in die westliche Tradition hineinwirkte, wie andererseits das Gedankengut des in der römischen Reichskirche verurteilten Evagrius Ponticus (345–399) über die Westsyrer zu den Ostsyrern gelangt zu sein scheint und dann den Boden schuf für die ostsyrische Mönchsmystik, die ihre Blüte zur gleichen Zeit wie die Mystik der Sufis im selben geografischen Raum erlebte; über alle Konfessionsgrenzen hinweg wurde da besonders Isaak von Ninive (7. Jh.) von Bedeutung. Die Lehre von den Sternen wurde anhaltend weiter betrieben, das griechische Erbe gepflegt (neben den Philosophen natürlich die griechischen Kirchenväter ins Syrische übersetzt). Die Kirche des Ostens hatte sich längst nach Indien und China und über die Weiten Zentralasiens hinweg ausgebreitet. Just als der Untergang des Sassanidenreiches immer greifbarer wurde, da fand die Kirche Eingang in das Reich der Mitte, China, und diese Kirche stellte von ihrer Ausdehnung her eine imposante Größe vor die Augen der Christenheit, die im Westen im 7. Jahrhundert noch nicht einmal den deutschen Raum sich gänzlich erschlossen hatte.

So waren die Syrer beider Traditionen im befruchtenden Gegeneinander durch die neue Herrschaft herausgefordert, mit der es bald in der Folge der Eroberungszüge zu Schutzverträgen kam, die das innere Leben der Christen zwar nach außen limitierten, oft auch hohe Steuerforderungen zur Folge hatten, aber dennoch den syrischen Christen weiterhin gestatteten, ihren Glauben zu leben. Für beide Traditionen war die neue Herrschaft dabei weithin nur die Ersetzung der einen Herrschaft über sie durch eine andere. Die Wahrnehmungen der neuen Herrschaft waren sehr gemischt. Einerseits bedeutete sie das Ende der bisherigen Unterdrückung, andererseits wurde von Anfang an deutlich, dass neue Unterdrückungen auf sie warteten. Es bleibt unklar, wieweit das Moment in immerhin einer christlich dominierten Welt gelebt zu haben, die Situation für die westsyrischen Christen schwieriger gemacht haben könnte als für die östlichen. Den auch im Osten, wo doch nur eine fremdreligiöse Herrschaft durch eine andere ersetzt wurde, fanden sich beide Optionen zur Reaktion: jene, die eher ein positives Bild von den neuen Herrschern hatten und jene, für die sie Ausdruck apokalyptischer Untergangsvisionen waren.

Indem aber die Syrer auch kulturell zu Vermittlern zwischen Ost und West wurden, wenn sie in Konkurrenz zu den Bemühungen zu Übersetzungen aus dem Griechischen ins Arabische nun fleißig aus dem Syrischen den Arabern Texte der griechischen Philosophie zugänglich machten, die sie zuvor ins Syrische übersetzt und dabei schon aus dem Griechischen ins Syrische hinübertransportiert hatten (was mehr als nur ein technisch-sprachlicher Akt war), so transportierten sie die bereits der semitischen Welt eingepassten Texte den Arabern weiter und wurden so innerhalb des islamischen Weltreiches zu Boten westlichen Gedankenguts und die Brücke aus dem Inneren des neuen Reiches hinüber in die geistigen Freiheiten der griechischen Antike, die alsbald das Haus der Weisheit in Bagdad und den offenen rationalen Diskurs nicht nur in Bagdad ermöglichten.